Reisebericht 2011

Meine Sambia-Reise
Aus dem Augenwinkel eines Mitreisenden betrachtet /Georg Grabowsk

15. April 2011 – Freitag – Erster Reisetag

Es war also so weit und unsere Aufregung gro├č. Das Sambia-Abenteuer startete.
Eine-Welt-Engagement D├╝ren und Fair Handel Alsdorf, die Veranstalter, hatten, wie auch schon in den voraus gegangenen Jahren, eine Bildungsreise mit Besichtigungen der gef├Ârderten Projekte ├╝ber die Osterzeit angeboten.
Mit an Board dreizehn Personen, die sich an zwei Informationsnachmittagen beschnuppern durften. Dreizehn Personen, die aus unterschiedlichsten Beweggr├╝nden Sambia besuchen wollten.

An dieser Stelle m├Âchte ich die Probanden(!) kurz vorstellen und ihnen jetzt schon meinen herzlichen Dank vermitteln. Im Laufe dieser zwei Wochen durfte ich liebensw├╝rdige und begeisterte Helfer ohne wenn und aber kennenlernen. Mein Wunsch f├╝r die Zukunft: ÔÇ×M├Âgen es immer mehr von euch werden. Dann hat Mutter Erde und ihre Lebewesen eine Chance hin zum Guten!“
So, aber nun genug geplaudert. Hier kommen die Akteure!

  • Monika, Bernhard, Elisa, deren Tochter/ Schwester Junia ein Freiwilligenjahr in Mamba/Sambia verbringt.
  • Renate, G├╝nter, Alina. G├╝nter, ein ├ľlfreak, der schon mehrmals mit Renate, seine Frau zum Bau einer ├ľlm├╝hle (biologisch) und, und, und in Sambia gewesen ist. Alina, das Nesth├Ąkchen der Reisegruppe, durfte ihre Gro├čeltern begleiten.
  • Susanne, sie stammt aus Berlin. Deren Tochter Maike absolviert ebenfalls ein Freiwilligenjahr und ist f├╝r die Zeit in Monze/Sambia beheimatet.
  • Johannes. Seine Tochter Veronika, auch eine Absolventin eines Freiwilligenjahres lebt momentan in Muzabuka/Sambia.
  • Laurence, eine weitere Fotografin und Grafikerin, die sich f├╝r das Layout des Jahreskalenders verantwortlich zeigte.
  • Angelika und Herbert. Engagierte Ehrenamtlicher des Fair Handel Alsdorf, die schon mehrmals in Sambia waren, um die gef├Ârderten Projekte in Sambia zu besichtigen.
  • Gabi und Georg. Afrika-Liebhaber und Sponsoren der Jahreskalender, die ├╝ber fairhandel Alsdorf vertrieben werden. Dar├╝berhinaus bet├Ątigte sich Georg als Fotograf, um neue Bilder bez├╝glich des Jahreskalenders 2012 zu erhalten.

Der Flieger startete Freitag, am fr├╝hen Abend von Br├╝ssel aus. Erster kurzer Stop, Paris mit Aufsammeln weiterer Flugg├Ąste. Das sollte aber nicht der letzte Stop f├╝r uns werden!!!
Dann Weiterflug nach Addis Abeba/Äthiopien.

16.April 2011 – Samstag – Zweiter Reisetag

Verlassen der Maschine, um mit einem anderen Flugzeug drei Stunden sp├Ąter nach Harare/Zimbabwe durchzustarten. Die Uhr zeigte 4.30 Uhr in der Fr├╝h. Die M├╝digkeit hatte die meisten von uns fest im Griff.
Ankunft in Harare. Kurze Pause. Wir konnten aber im Flugzeug sitzen bleiben. Zwischenzeitlich zeigte die Uhr 13.45 Uhr/ Samstagnachmittag.
Dann hob die Maschine letztmalig (Halleluja) f├╝r uns ab. Ankunft in Lusaka/Sambia 15.00 Uhr.

Ein Bus stand f├╝r uns bereit. Brian, der Fahrer erwies sich ├╝ber die ganze Zeit unseres Aufenthaltes als aufmerksamer und umsichtiger Chauffeur.
Endlich, nach Passkontrolle und Visavorschriften (Geb├╝hren) ging die Reise nach Monze und dann einen letzten Schotterweg hoch zu Kizito unserer ersten Unterkunft. Vorher hatten wir noch Veronika, die Tochter von Johannes aufgesammelt, die die zwei Wochen mit uns reisen durfte.
Auch die anderen beiden Freiwilligen Junia und Maike stie├čen am n├Ąchsten Tag zu unserer Gruppe. Sie hatten ebenfalls die Erlaubnis erhalten, uns zu begleiten!
Weit nach 22.00 Uhr kamen wir endlich in Kizito an, Wir wollten nur noch ins Bett. Die Kr├Ąfte waren erlahmt. Zwischenzeitlich waren ja fast alle mehr als 38 Stunden auf den Beinen!
Schlafen – was war das nochmal?!? Ah, herrlich, welch ein Genuss!

17. April 2011 – Dritter Reisetag – Palmsonntag

Die Sirene ert├Ânte. Das Fr├╝hst├╝ckssignal! Die Uhr zeigte 7.30 Uhr. Ich hatte definitiv meinen Schlaf abgebrochen. Wahrscheinlich ging es den anderen ebenso. Aber die Pflicht rief.
P├╝nktlich brachen wir zur Palmprozession auf. Es wimmelte von Menschen. Wir wurden herzlich aufgenommen, besonders von den Kindern. Gabi, sie tanzt schon seit Jahren afrikanisch, machte die ersten wenigen t├Ąnzerischen Bewegungen!
Die Frauen und Kinder strahlten. Sie lachten und pfiffen. Einige versuchten, sie zu imitieren. Auch die M├Ąnner schauten erfreut und zollten Respekt bei ihren Bewegungen.
Ich war wieder in Afrika! Wie wunderbar.
Nach unserem Mittagessen, das gut und reichlich war, gab es eine Zusammenkunft mit Solomon, unserem Projektkoordinator, der zust├Ąndig war f├╝r den geplanten Ablauf der Besichtigungen.
Leider verstehe ich nur minimal Englisch, so dass ich der Unterhaltung nicht folgen konnte. Mehrmals drohte ich einzuschlafen. Wie peinlich!
Den Rest des Tages hatten wir zur freien Verf├╝gung und Eingew├Âhnung an das warme Klima Sambias. Zwar war zu dieser Zeit Winter in Sambia, aber mit circa 25 Grad im Mittel und Tendenz steigend, schwitzten wir ganz sch├Ân.
Ich machte noch Fotos vom sch├Ânen Anwesen Kizitos, genoss den Nachmittagskaffee und das sp├Ątere gute Abendessen, wobei wir von einem Vollmond und vielen Sternen, zum Greifen nah, verw├Âhnt wurden.
Dann war auch dieser Tag in Rekordzeit vergangen.

18. April 2011 – Vierter Reisetag

Unsere erste Ausflugstour mit Besichtigungen stand bevor. Das hie├č: ÔÇ×die Sirene klingelte“, grrr, 7.30 Uhr Fr├╝hst├╝ck. Mir ging es nicht gut, besser gesagt mein Darm brachte T├Âne hervor, die nichts Gutes verk├╝ndigten!
Wo waren blo├č die Tabletten? Ah hier, Gott sei Dank, da kann ja nichts mehr passieren!
Das Kulturzentrum der Tongas war unsere erste Station. Es gibt viele Kulturst├Ąmme in Sambia, aber in dieser Region leben ├╝berwiegend Tongas. Wir wurden mit Tanz und Trommelkl├Ąngen empfangen. Die Tonga halten ihre Traditionen in Vorf├╝hrungen, Vortr├Ągen, Museum etc. f├╝r die Nachwelt lebendig.
Bei einer ÔÇ×H├╝tte der M├Ąnner“ wurde ich beim Fotografieren von einer fliegenden Ameise, nur f├╝nf Mal gr├Â├čer als in Deutschland in den Oberarm gestochen. Gabi saugte mit ihrem Mund kurzer Hand das giftige(!) Sekret aus. Anschlie├čend hatte sie f├╝r mehrere Minuten ein pelziges, bet├Ąubendes Gef├╝hl im Mund. Dies war definitiv ein Zeichen f├╝r Gift.
Fazit: Ich sollte wohl etwas vorsichtiger sein!!!
Anschlie├čend fuhren wir zu einer Aidsstation. Man berichtete ├╝ber die geleistete Arbeit und den vielen Vernetzungswegen, die es zwischenzeitlich gibt. Aber auch Schwierigkeiten, mit denen die Helfer tagt├Ąglich zu k├Ąmpfen hatten, wurden nicht au├čer acht gelassen. Mir kam es so vor, als wenn es sich um den urspr├╝nglichen Tropfen auf den hei├čen Stein handelte. Aber ich bin ├╝berzeugt, auch kleine Tropfen werden irgendwann einmal zu einem gro├čen See!
Danach fuhren wir wieder zur├╝ck ins Kulturzentrum, wo wir zu Mittag a├čen. Man kann nur sagen hervorragend. Auch Laurence a├č mit gutem Appetit. Sie ist Allergikerin und brachte eine Notfall(essens)ration in ihrem Koffer mit nach Sambia. Um es vorweg zu nehmen: Es ging Laurence wunderbar in Sambia, abgenommen hatte sie jedenfalls nichts!
Nach dem Essen fuhren wir zu ÔÇ×G├╝nters ├ľlm├╝hle“. Leider war sie nicht in Betrieb. Aber, G├╝nter, gr├Ąm dich nicht, das wird schon werden. In Afrika braucht alles etwas l├Ąnger und seine Zeit!
Auf dem R├╝ckweg nach Kizito besuchten wir den Markt von Monze und hatten jede Menge Spa├č mit Gabi. Sie tanzte den Leuten etwas vor und wir konnten ungest├Ârt fotografieren, da an ihrem Tanz alle ihre helle Freude hatten. Es war bestimmt eine Abwechslung f├╝r diese Menschen. Wann tanzt eine wei├če Frau schon einmal afrikanisch?
├ťberhaupt, die Menschen in Sambia waren alle so herzlich und freundlich, dass einem das Herz aufging.
Am Abend sa├čen einige von uns noch bei einem Bier zusammen und lie├čen den Tag mit all den vielen Eindr├╝cken Revue passieren.

19. April 2011 – F├╝nfter Reisetag

An diesem Tag unternahmen wir die weiteste Tour. Das hie├č: Sirene 6.30 Uhr(!), Fr├╝hst├╝cken! In Lusito, das ├╝ber 300 Kilometer von Monze entfernt liegt, wollten wir einem ÔÇ×Kuhkauf“ beiwohnen: Das Entwicklungsb├╝ro der Di├Âzese Monze kauft K├╝he, die kostenlos an Landwirte abgegeben werden. Daf├╝r m├╝ssen diese das erste Kalb abgeben und so weiter.
Der Ort Lusito liegt in einem Gebiet, dass jedes Jahr von Elefantenherden durchwandert wird. Nat├╝rlich sind Zerst├Ârungen vorprogrammiert. Die Buschh├╝tten stehen auf Stelzen. Es ist ein Savannengebiet und die Menschen sind dort um ein vielfaches ├Ąrmer als in den St├Ądten. Auch brennt die Sonne hier hei├čer. Wenigstens war das mein Gef├╝hl.
Unter einem riesigen Bl├Ątterbaum mit ausladenden ├ästen, waren St├╝hle in einem Rund aufgestellt. Der Wind blies angenehm und es war darunter erstaunlich k├╝hl. Die M├Ąnner hatten sich in ihre feinsten Kleidungsst├╝cke eingeh├╝llt und sa├čen geduldig auf den St├╝hlen. Einige spielten mit ihren Handys.
Dies ist immer wieder faszinierend f├╝r mich zu beobachten. Obwohl das Leben der ├╝berwiegenden Bev├Âlkerung in Afrika sehr karg und bildungsarm verl├Ąuft, haben die meisten von ihnen ein Handy. Warum das so ist, habe ich bis jetzt noch nicht ergr├╝nden k├Ânnen.
Die Frauen der M├Ąnner sa├čen mit ihren Kindern auf einer Matte auf dem Boden und boten uns als Willkommen ein Getr├Ąnk an. Wir setzten uns und warteten ebenso. Wir warteten eine lange Zeit! Irgendetwas schien nicht zu stimmen. Zwischenzeitlich standen einige Frauen auf und sangen oder tanzten zur ├ťberbr├╝ckung. Gabi tanzte wiederum, was allen sichtlich gefiel. Die M├Ąnner, ich betone, alle afrikanischen M├Ąnner z├╝ckten ihre Handys. Dabei scheuten sie sich nicht im Geringsten, die Szenerie aufzunehmen. Dann wurde es still und wir erfuhren den Grund f├╝r das lange Warten. Der Kuhkauf war nicht zustande gekommen, da der doppelte Preis verlangt wurde. Schade. Jedoch beeindruckend f├╝r mich war, dass mit einem Gebet die Parteien friedlich auseinander gingen und man es in einigen Monaten erneut versuchen wollte.
Anschlie├čend fuhren wir zu einer kirchlichen Gemeinde (Parish), das von einem italienischen Priester geleitet wird. Er zeigte uns eine Green Bank (Silo f├╝r Maismehl) und war sehr besorgt ├╝ber die viel zu kurze Regenzeit dieses Jahres. Der Mais, wenn mich nicht alles t├Ąuscht, dass wichtigste Nahrungsmittel Sambias, k├Ânne nicht richtig wachsen und der Pfarrer bef├╝rchtete Ernteausf├Ąlle in gro├čer Menge f├╝r seine Gemeinde.
Jetzt m├╝ssten die Menschen wieder bis zum Herbst warten, ehe mit neuen Regeng├╝ssen zu rechnen sei. Daher werde auch im Haus sehr sparsam mit dem kostbaren Gut umgegangen.
Den Abschluss dieser Tour kr├Ânte ein Abstecher zu einem heiligen Baobab. Baobabs sind die charismatischsten B├Ąume Afrikas schlechthin. Alle haben innerhalb ihres Stammes einen Hohlraum. In der Vergangenheit hat so manch ein Baobab Menschen beherbergt.
Erst sp├Ąt abends kamen wir wieder nach Hause. F├╝r mich war dies der anstrengendste Tag w├Ąhrend meines zweiw├Âchigen Aufenthaltes in Sambia. Die Hitze, die weite Hin- und R├╝ckfahrt, die vielen Eindr├╝cke -mein Hirn besch├Ąftigte sich permanent mit L├Âsungsvorschl├Ągen f├╝r das Afrikanische Volk, hatten mich doch geschw├Ącht. K├Ârper, Geist und Seele verlangten nach einer l├Ąngeren Erholungspause.

20. April 2011 – Sechster Reisetag

Die Sirene heulte. Es war 7.30 Uhr. Fr├╝hst├╝ckszeit. Dies war also meine l├Ąngere Erholung! Eine Stunde l├Ąnger schlafen. Aber immerhin, besser als gar nichts!
├ťbrigens f├╝r alle Afrikainteressierte ein kleiner Tipp von mir: ÔÇ×Wer eine Afrikareise wie die Unsere buchen m├Âchte, dem sei gesagt, dass es sich nicht um Luxus pur oder Relaxen bis zum Abwinken handelt. K├Ârper, Geist und Seele sind st├Ąndig in Bewegung und leisten Unmengen an Arbeit!“
Wer sich noch nicht ganz sicher ist, ob er diese Form von Urlaub ├╝berhaupt m├Âchte und was noch wichtiger ist, aushalten kann, sollte erst einmal eine Pauschaltouristenreise nach Afrika buchen. Sp├Ątestens dann, wenn er Land und Leute aus einiger ÔÇ×Entfernung“ kennen gelernt hat, wird er sp├╝ren, ob die Liebe ÔÇ×zu mehr N├Ąhe“ ausreicht.
Aber nun zur├╝ck zu meinem Bericht Sambia. Im Fr├╝hst├╝cksraum waren fast alle bis auf Susanne und die drei Freiwilligen-M├Ądels versammelt. Die schliefen wahrscheinlich noch oder kosteten die letzten Minuten in der Horizontalen so richtig aus. Bei allen Gruppenmitgliedern zeigten sich erste Verschlei├čerscheinungen!
Obwohl wir als Gruppe sehr gut harmonierten, ist es dem Europ├Ąer (wissenschaftliche Studie), anders als dem Afrikaner, wichtig, hin und wieder alleine zu sein oder sich auszuklinken aus der Gemeinschaft. Der Afrikaner liebt die Gemeinschaft und k├Ânnte niemals, noch nicht einmal wenn er sich krank f├╝hlt, alleine sein. Das war auch schon im Senegal, bei meiner ersten Afrikareise gut zu sp├╝ren.
Vielleicht h├Ąngt es aber auch nur mit der Mentalit├Ąts- oder Kulturform zusammen, in der man hinein geboren wird!
Mal gut, dass wir morgen am Gr├╝ndonnerstag bis einschlie├člich Ostersonntag in kleinere Gruppen auf die Gemeinden aufgeteilt werden. Wahrscheinlich ist es dann einfacher sich auf sich selbst zu besinnen- hoffte ich jedenfalls!
Nach dem wir gefr├╝hst├╝ckt hatten, fuhren wir nach Maamba, dort wo Junia ihr Freiwilligenjahr verbringt. Auf dem Weg dort hin kaufte sie Obst ein, da es bei den Stra├čenh├Ąndlern bedeutend billiger sei, wie sie sagte. ├ťberhaupt, derjenige der von der Familie weiter fort f├Ąhrt, bringt immer etwas mit. Dies sei Usus, erkl├Ąrte sie.
Im Parish von Mamba, wo wir herzlich begr├╝├čt wurden, besichtigten wir eine Computerschule f├╝r M├Ądchen, der wir Laptops ├╝bergaben, eine N├Ąherei und eine Schreinerei.
Welch ein Gl├╝ck f├╝r uns! Da all diese Projekte auf dem Gel├Ąnde des Parish untergebracht waren, brauchten wir diesmal nicht weiter zu fahren.
Ein Ire, der f├╝r circa drei Monate in Sambia weilt und die Jugendlichen in der Schreinerei ausbildet und sie unterst├╝tzt, erkl├Ąrte die momentane Arbeit und Entwicklung der Jungen. Was ihn betr├╝bte, so der Ire, sei die mangelhafte Qualit├Ąt der Maschinen und Werkzeuge und dass sie innerhalb k├╝rzester Zeit defekt seien!
Anschlie├čend habe ich viel dar├╝ber nachgedacht, wie man gute Maschinen und Werkzeuge in diese Werkstatt beschaffen und transportieren k├Ânnte.
Zurzeit sind gute Maschinen leider Mangelware. China, der diesen Wirtschaftszweig voll in H├Ąnden h├Ąlt verkauft nur Billigware, dazu viel zu ├╝berteuert! Aber China ist nicht das einzige Land, das die afrikanischen Menschen und dieses sch├Âne Land ausbeuten.
Aber wie sagt Gabi immer so sch├Ân: ÔÇ×Solange die Menschen in Macht und Gier ihre Gesch├Ąfte machen und nicht Kosten und Nutzen im Gleichgewicht f├╝r Natur und Menschen halten, wird die Welt nicht in Frieden und Liebe leben k├Ânnen!“ Wie wahr und wie recht sie hat!
Jedenfalls, es ist nicht zu fassen, und geht auch nicht in meinem Kopf hinein, dass die Entwicklung und Ausbildung eines Volkes so derma├čen ausgebremst wird. Es ist schon etwas anderes, wenn man davon h├Ârt oder diese Ungerechtigkeit mit eigenen Augen sehen kann!
Aber Gott sei Dank gibt es ja auch noch andere Menschen. Menschen, die helfen wegen des Helfens willen. Menschen, f├╝r die das Wort N├Ąchstenliebe nicht nur ein Wort ist. Menschen, voller Mitgef├╝hl und zupackend. Menschen, wie wir eben!
Im Parish a├čen wir zu Mittag. Es war hervorragend, sogar mit leckerem Nachtisch und Kaffee wurden wir verw├Âhnt. Nach den Anstrengungen der letzten Tage mit all den vielen Projektbesichtigungen und den dadurch bedingten weiten Fahrten, war dieses Essen mit dem anschlie├čenden ruhigen Ausklang des Tages, ein wirkliches Geschenk! Danke lieber Gott.

21. April bis 24. April 2011 – Siebter bis elfter Reisetag

Wie ich schon erw├Ąhnt hatte, wurden wir am 21. April in kleine Gruppen ├╝ber die Ostertage aufgeteilt. Laurence, Gabi und meine Wenigkeit fuhren mit Father Spencer nach Muzabuka, Es sei ein gro├čes Parish, teilte uns Veronika mit, die ebenfalls mit im Wagen sa├č, da sie mit Johannes, ihrem Vater, bei ihrer afrikanischen Gastfamilie in Muzabuka und deren kleineren Parish wohnen sollte.
Father John, der Leiter dieser Gemeinde und Father Oliver, ein zweiter Priester begr├╝├čten uns auf eine jugendliche Art. Kein Wunder, sind beide doch erst 37 und 34 Jahre alt. Sie k├Ânnten meine Kinder sein!
Father Johns Liebe gilt dem Fu├čball. Er trainiert die erste Division, gleichzusetzen mit unserer ersten Bundesliga. Vor dem Parish waren mehrere Sportst├Ątten(!) angelegt, nat├╝rlich nicht zu vergleichen mit dem Standard bei uns. Eher sehr schlicht und zweckm├Ą├čig.
Nichts desto Trotz spielten Unmengen an Kinder vor dem Pfarrhaus! Auch viele M├Ądchen spielten ihre Ballspiele. Father John scheint sehr wichtig f├╝r diese Kids zu sein!
Im Gegensatz zu Father John mag Father Oliver Popmusik, laute Popmusik! Ich erw├Ąhne dies, weil das Kirchenleben (auch die Messen, dazu komme ich sp├Ąter) hier so ganz anders verl├Ąuft als in Deutschland. Ob unsere Priester daheim auch Fu├čball unterrichten oder laute Popmusik in ihrer Freizeit h├Âren? Nun gut, es gibt eben kulturelle Unterschiede!
Wir bezogen unsere Zimmer im Pfarrhaus, ├äh, hm, gew├Âhnungsbed├╝rftig, w├╝rde ich mal sagen. Schlichter als schlicht, um es anders zu formulieren. Da kommt schon gro├če Demut auf, wenn man an sein eigenes Zuhause denkt.
Father John, mit dem ich ├╝ber die n├Âtigen Reparaturen(!) des Pfarrhauses sprach, sagte, dass er jeden erdenklichen Cent in die Jugend stecke. Die Jugend brauche Bildung und Perspektive. Denn darin liege die Zukunft Afrikas! Erst dann sei das Pfarrhaus dran! Recht hat er!
Die Tage von Gr├╝ndonnerstag bis Ostersonntag standen im Zeichen der ausladenden Gottesdienste! Afrikanische Messen sind viel lebendiger. Die Menschen str├Âmen rein oder gehen zwischendurch aus dem Gotteshaus hinaus. Keine Messe dauerte k├╝rzer als zwei Stunden. Der Samstagabend bildete sozusagen den H├Âhepunkt. Sage und schreibe dreieinhalb Stunden zelebrierte Father Oliver die Messe. Als Gabi anfing mit zu tanzen (dies ist dort an einigen Stellen der Anbetung so ├╝blich), stand die Kirche Kopf. Zum Schluss, Laurence hatte eine kleine Rede einstudiert und als wir unser mitgebrachtes Geschenk abgegeben hatten (ein Buchsbaum mit den Nationalfarben Sambias), wurden wir gefeiert wie K├Ânige. Die Menschen haben sich wirklich total gefreut, uns in ihrer Mitte zu haben!
F├╝r alle interessierten Leser meines Berichtes; ich habe einmal nachgerechnet. Einschlie├člich Palmsonntag mit der vorausgegangen Prozession und dem Theaterspiel der Kreuzigung am Karfreitag, war ich sage und schreibe 13 Stunden in der Kirche! Gabi sogar 15 Stunden. Sie hatte noch die Tongamesse am Ostersonntag besucht, wo hingegen ich und Laurence geschw├Ąnzt hatten! Was zu viel ist, ist zu viel.
Mit Father John sind wir allerdings am Karfreitag auch noch zu zwei weiteren Projekten gefahren, die ihm sehr am Herzen lagen. Beide werden, wie die anderen von uns besuchten Projekte von der Di├Âzese Monze gef├Ârdert. Und wir konnten uns ├╝berzeugen, dass alle Spendengelder des EWE┬┤s D├╝ren und dem Verein fairhandel Alsdorf auf das Beste verwendet werden. Eigentlich m├Âchte man helfen, helfen, helfen! Jedenfalls geht es mir so, wenn ich die Armut und die Bildungsproblematik sehe. Aber irgendwann muss man einen Schnitt machen. Jedoch die wichtigste Erkenntnis f├╝r mich, in allen besichtigten Projekten ist die Hilfe zur Selbsthilfe unverkennbar. Und das tr├Âstet mich doch sehr, wenn meine vielen Gedanken der Hilfe f├╝r Afrika Achterbahn fahren.
Apropos, am Ostersamstag hatten wir noch eine bemerkenswerte Begegnung mit einer Frau aus Amerika. Ihr Name ist Katherina, ein Sprachgenie. Sie parlierte unter anderen auch in Deutsch. Seit acht Jahren lebt sie mehrere Monate in Muzabuka. Sie ist K├╝nstlerin und unterrichtet Jugendliche, die alle eine schwere Zeit erlebt haben. Alle Jugendlichen, wohnen in eine Art Heim und verpflegen sich selber. Katharina lehrt sie Lesen und Schreiben, Kunst, die F├Ącher Selbstvertrauen und Lebenstauglichkeit. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau, die unter schlechtesten Bedingungen lebt und lehrt.

25. April 2011 ÔÇô Ostermontag Elfter Reisetag

Jetzt war unsere Gruppe wieder komplett. Jeder hatte andere Erfahrungen aus seinem Parish mitgebracht. Nach dem Fr├╝hst├╝ck geht es nach Livingstone, dem erholsamen Teil unserer Urlaubsreise. Am sp├Ąten Nachmittag kamen wir dann endlich in unserer Lodge an. Noch ehe wir unsere Zimmer zugewiesen bekamen, warf ich schon einmal einen Blick auf den Swimmingpool. Ach, welcher Luxus tat sich meinen Augen auf! Und erst das Zimmer- gigantisch, sage ich Ihnen: ein K├╝hlschrank, der einwandfrei k├╝hlte, und auch das Badezimmer brauchte den europ├Ąischen Standard nicht zu scheuen. Warmes Wasser, eine gro├če Dusche! Herz, was willst du mehr! Mit dieser Unterkunft zum Abschluss ÔÇô perfekt. Besser h├Ątte es nicht sein k├Ânnen! Danke, Danke, Danke, Danke.

26. April 2011 ÔÇô Dienstag – Zw├Âlfter Reisetag

Nanu, keine Sirene? Die Uhr zeigte 8.30 Uhr. Ich grinste in mich hinein. Heute war mein Geburtstag! Heute sollte es zu den Viktoriaf├Ąllen gehen. Die Viktoriaf├Ąlle sind die gr├Â├čte Attraktion in Sambia. Und jetzt mit Ende der Regenzeit umso beeindruckender, da der Fluss Sambesi, der in die Viktoriaf├Ąlle m├╝ndet, von den umliegenden Bergen mehr Wasser f├╝hrt als die restliche Zeit des Jahres. Dann stand ich ehrf├╝rchtig und staunend vor den Viktoriaf├Ąllen. Diese geballte Kraft, das Donnern des Wassers und die wundersch├Ânen Regenbogen. Manchmal bildeten sich sogar zwei ├╝bereinander! Selten habe ich so etwas Sch├Ânes gesehen. Die Gicht hatte mich in Sekunden pitschnass werden lassen. Was ich vorher noch bel├Ąchelt hatte, als Herbert uns sagte: ÔÇ×Ihr werdet nass bis auf die Unterhose und achtet auf eure Kameras und HandysÔÇť, traf genauso ein. Mal gut, dass ich zuvor meine Kamera in den wasserdichten Rucksack von Herbert verstaut hatte. Mein Handy hingegen war unwiederbringlich f├╝r alle Zeiten zerst├Ârt und damit auch viele wichtige Telefonnummer, die ich mir nicht abgespeichert hatte. Am Sambesi, oberhalb der Abbruchkante der Viktoriaf├Ąlle, haben wir uns von der Sonne trocknen lassen und unser Picknickessen genossen. Erst am sp├Ąten Nachmittag fuhren wir zu unserer Lodge zur├╝ck. Es war ein wundersch├Âner gelungener Geburtstag!

27. April 2011 ÔÇô Mittwoch – Dreizehnter Reisetag

Diesen Tag hatten wir zur freien Verf├╝gung. Am Abend fand die Flussfahrt auf dem Sambesi statt. W├Ąhrend das Boot auf dem Sambesi in den Sonnenuntergang dahin glitt und wir dass Abendessen einnahmen, sahen wir Flusspferde, Krokodile und viele unterschiedliche Vogelarten. Es war eine eigent├╝mliche Stimmung. Ich werde sie in meinem Erinnerungsst├╝bchen als kostbar und besonders wertvoll ablegen. So neigte sich unser vorletzter Abend mit traumhaften Eindr├╝cken, einem tollen Sonnenuntergang und einer wundervollen Atmosph├Ąre seinem Ende entgegen.

28. April 2011 ÔÇô Donnerstag – Vierzehnter Reisetag

In einem kleinen Nationalpark hatten wir eine Safari gebucht. Der Fahrer hatte einen ├Ąu├čerst geschulten Blick was das Wild anbelangte. Bis auf L├Âwen, Tiger (Zitat des Fahrers) und Nilpferde haben wir in diesen zwei Stunden alle Tiere von Rang und Namen sehen k├Ânnen. Es war gewaltig. Wenn der Urwald erwacht mit all seinen Ger├Ąuschen und Ger├╝chen ÔÇô gigantisch! Eins ist jetzt schon sicher: Mir wird Afrika sehr fehlen, auch wenn ich mich wieder auf mein Bett und Deutschland freue!

29. April 2011 ÔÇô Freitag ÔÇô R├╝ckreise nach Deutschland.

Gegen halb f├╝nf Uhr morgens fuhren wir mit einem Linienbus von Livingstone nach Lusaka zu unserem Abflughafen. Es klappte alles reibungslos bis zu Hause in Baesweiler. Die n├Ąchsten zwei Wochen hatte ich noch mit Umstellungsproblemen zu tun, zumal ich sofort am n├Ąchsten Montag wieder mit meiner Arbeit begann.

Schlusswort

Ich hoffe, dass ich Sie, verehrte Leser, ein wenig mit den afrikanischen Gepflogenheiten und dem Land als solches bekannt machen konnte. Vielleicht findet dadurch der eine oder die andere zu einer ebensolchen Reise, wie ich es getan habe. Auch w├╝rde es mich freuen, wenn durch meinen Bericht einige weitere flei├čige Helfer-/innen f├╝r Afrika dazu kommen w├╝rden. Afrika braucht Sie, Sie und Sie!

Georg Grabowski